Farm-Spiele sind seit langem ein fester Bestandteil der Gaming-Landschaft. Ein gewisser Teil davon beschäftigt sich neben Landwirtschaft auch mit Materialsammelei und Kämpfen ausserhalb der eigenen Farm. Zu diesen gehört auch die „Rune Factory“-Reihe, deren neuster Teil Rune Factory: Guardians of Azuma nun auch auf Xbox Series und PlayStation kommt. Ich habe mich nach Azuma begeben, mich um Felder, Monster und mehr gekümmert.
Azuma in Gefahr
Das an ein feudales Japan angelehnte Azuma (historisch eine Bezeichnung für einen Teil von Japan) leidet unter den Auswirkungen einer Katastrophe. Die Lebenskraft des Landes, Runen, entschwindet. Unser wahlweise männlicher oder weiblicher Spielcharakter erwacht mit Amnesie in Spring Village. Auch dort leidet die Natur und viele Dorfbewohner sind fortgezogen. Aber bald taucht ein maskottchenhaftes Wesen, Mokoshiro auf. Da Mokoshiro aber an ein schafähnliches Wooly erinnert, nennt unser Charakter es Woolby. Als Earth Dancer wurden wir von Woolby auserwählt um Azuma zu retten.

Ein schwarzer Drache taucht auf, um Runen zu absorbieren, der heilige Baum des Dorfes wird noch weiter geschwächt. Der Drache kann aber verjagt werden. Mit der Kraft des Earth Dancers gelingt es, den heiligen Baum wieder mit Leben zu erfüllen. Dabei erwacht die Göttin des Frühlings, Ulalaka. Um ihre Kraft wiederherzustellen, muss das Dorf wieder aufgebaut und mit Leben gefüllt werden. Anschließend gilt es, das auch in den drei Dörfern der anderen Jahreszeiten zu schaffen und deren Götter zu stärken. Gemeinsam könne man sich um die Ursache kümmern.
Auch wenn das Leben in Azuma in Gefahr ist, ist die Atmosphäre in der Regel eher locker. Die Götter sind nahbar und teils eigen, auch daneben trifft man auf eine bunte Riege von Charakteren. Die Erzählung ist eher knapp gehalten, weiß gerade mit den Charakteren zu unterhalten.
Dorfmanagement
Was liegt näher, als dem frisch gebackenen Earth Dancer die Ehre zukommen zu lassen, sich um den Wiederaufbau der Dörfer zu kümmern? Zum einen wollen Entwicklungsgebiete von Hindernissen befreit werden, damit man Felder und Gebäude darauf platzieren kann. Durch Erreichen diverser Ziele kann man dann das Dorflevel erhöhen, was neue Gebäude und oft hilfreiche Dekorationen freischaltet, aber auch die maximale Bevölkerung erhöht.

Wer möchte, kann klassisch mit dem Charakter von Feld zu Feld gehen und Dinge so platzieren, zu säen und mehr. Praktischer ist der Wechsel in Vogelperspektive und das Ansteuern mit dem Cursor. Beim Bearbeiten vieler Felder ist das schneller, für das Platzieren größerer Gebäude und Dekorationen übersichtlicher.
Die Bevölkerung kann man wiederum für verschiedene Aufgaben einteilen. Feldarbeit mit bewässern, ernten und neu anpflanzen kann man Dorfbewohnern überlassen. Auch Holz zu hacken oder Steine zu kloppen lässt sich delegieren. Verschiedene Anlagen wie Läden wollen ebenfalls mit Personal versorgt werden. Die einzelnen Dorfbewohner haben unterschiedliche Fertigkeiten, die man berücksichtigen kann, in Einzelfällen muss. So kann zum Beispiel nicht jeder eine Schmiede betreiben. Davon abgesehen scheint es den Bewohnern nicht wichtig, als was sie arbeiten.
Aber ein bisschen Anspruch haben sie schon. So wollen die Bewohner zum einen Wohnraum, zum anderen aber auch ihren Lebensunterhalt finanziert bekommen. Sinkt die Zufriedenheit stark, könnten sie das Dorf wieder verlassen. Aber im Grunde ist das nicht schwer zu verhindern. Der Verkauf der durch Dorfbewohner geernteten Feldfrüchte und Einnahmen aus Läden kann leicht ausreichen, man müsste sich quasi schon selbst sabotieren.

Interessanterweise stört es die Zufriedenheit übrigens nicht, wenn man als Spieler Dorfbewohner des Dorfes verweist, zum Beispiel weil man auf produktiveren Ersatz hofft. Arbeiter, die ohne zu Murren quasi jede Arbeit übernehmen, die man aber auch unkompliziert loswird – ein Traum so manchen Arbeitgebers?
Wer möchte, kann mehr Wert darauf legen sein Dorf optisch ansprechend zu gestalten. Aber es ist auch möglich, zum Beispiel Dekorationen für Buffs auch wild in eine Ecke zu stellen. Buffs gibt es zum einen für die Performance des Dorfes wie Feldarbeit und Geschäftseinkünfte, zum anderen aber auch für die Statuswerte des Hauptcharakters.
Auch wenn man im Spielverlauf verschiedene Divine Treasures der Götter erhält,die auch für Feldarbeit genutzt werden können, habe ich sie selten proaktiv genutzt. Die Dorfbewohner kommen auch so meist zurecht. Zum einen kann man aber täglich das Wachstum der Feldfrüchte beschleunigen. Bald kann man auch erntefrische Feldfrüchte zu größeren Mengen Saatgut verarbeiten statt zu ernten, wobei womöglich sogar Saatgut höheren Levels entsteht.

Mehrere Felder zu bewässern oder abzuernten schien mir dagegen wenig hilfreich, da man in Vogelperspektive mit Ansteuern der Felder mit dem Cursor nochmals schneller ist.
Beziehungen aufbauen
Auch Rune Factory: Guardians of Azuma hat eine gewisse soziale Komponente. Eine bunte Auswahl von Charakteren steht bereit, dass unser Spielercharakter ihnen näher kommt. Dafür kann man zum Beispiel einmal am Tag Zeit mit ihnen verbringen oder ihnen ein Geschenk geben. Die möglichen Aktivitäten werden vorgegeben und mit kurzen Szenen dargestellt, die in den Optionen bei Wiederholung automatisch überspringbar eingestellt werden können. Die Aktivitäten werden für wiederholte Male auch gekennzeichnet, wenn sie besonders gemocht werden. Wie sehr Geschenke gefallen haben, wird im Charakterprofil festgehalten. Sinken kann die Freundschaft übrigens nicht, also keine falsche Scheu vor schlechter Auswahl.
Bis zu Bond Level 10 kann man erreichen, mit verschiedenen Leveln werden Boni freigeschaltet, wie zum Beispiel gemeinsam Kochen zu können. Man kann befreundete Charaktere auch in die eigene Gruppe aufnehmen und zum Erkunden mitnehmen.

Ein Teil der Charaktere steht auch als romantische Partner zur Verfügung. Spätestens wenn es ums Heiraten geht, muss man sich für einen entscheiden. Und vielleicht wird man schließlich sogar eine Familie gründen?
Erkundung und Kämpfen
Auch außerhalb der Dörfer gibt es viel zu tun. Zum einen natürlich Aufgaben der Hauptquest. Zum anderen kann man in kompakt gehaltenen Gebieten Materialien sammeln und Rezepte für Allerlei wie Ausrüstung oder Dekorationen finden. Auch angriffslustige Gegner wie Tiere und Monster trifft man dabei.
Rune Factory: Guardians of Azuma benutzt ein zugängliches Action-RPG-Kampfsystem. Im Spielverlauf erhält man verschiedene Waffenarten zur Auswahl. Normale Angriffe lassen sich hintereinander ausführen, auch aufgeladene starke Angriffe stehen zur Verfügung. Blocken kann man nicht, aber ausweichen. Weicht man knapp aus, verlangsamt das die Gegner sogar für eine großzügige Zeit.

Die von den Göttern erhaltenen Divine Treasures lassen sich auch im Kampf einsetzen. Mit Einsatz sich regenerierenden RP für einfache Angriffe, durch Einsatz einer aufzubauenden Leiste für stärkere Fertigkeiten. Gerade diese können mit dem richtigen Element sehr wirksam werden.
Vor allem, wenn Gegner gestunnt sind. Bosse haben eine Stunleiste, die man durch Angriffe füllt, vor allem nach knappen Ausweichen und mit effektiven Elementen oder Waffenarten. Und gestunnte Gegner agieren nicht nur eine Zeit lang nicht, sie erleiden massiv stärker Schaden.
Die eigene Party von bis zu drei anderen Charakteren kann im Kampf unterstützen. Je nach Charakter sind auch Heilung, Buffs der Gruppe oder Debuffs gegen Gegner möglich. Wer auf dem normalen Schwierigkeitsgrad spielt, muss sich meiner Ansicht nach aber keine tiefen Gedanken dabei machen. Selbst die Ausrüstung der Party habe ich quasi ignoriert und mich auf den Spielercharakter beschränkt.

Im Spielverlauf erhält man auch die Möglichkeit, Monster zu zähmen und als Gruppenmitglied zu wählen. Manche kann man sogar reiten. Ich habe aber Charaktere bevorzugt, die beim Erkunden und Kämpfen auch noch Punkte für die Freundschaft erhalten. Für gezähmte Monster benötigt man Scheunen, erhält dann aber regelmäßig auch Items. Selbst wenn man sie nicht zum Kämpfen nutzt, kann das Zähmen also hilfreich sein.
Die Gebiete sind nicht kompliziert aufgebaut und übersichtlich in ihrer Größe. Optisch wird Abwechslung geboten, einfache Rätsel gibt es nur in seltenen Fällen. Das Kampfsystem ist zugänglich und durchaus spaßig, solange man nicht besonders gefordert werden möchte.
Zeit und Kalender
Wie in vielen Farmspielen, so vergeht auch hier die Zeit. Tage beginnen um 6 Uhr. Ab Mitternacht ist der Charakter müde und verliert stetig Lebenspunkte. Dank Schnellreisesystem kann man aber schnell zum eigenen Bett zurück kehren. Somit ist es mir nie passiert, dass der Charakter in Ohmacht gefallen wäre oder ähnliches.

Außerdem ist der Kalender in vier Jahreszeiten eingeteilt. Die tatsächlichen Jahreszeiten in den Dörfern sind fix, aber gemäß Kalender finden diverse Feste statt, die kompakt zu erleben sind. Auch kann man später Wettbewerbe wie bestimmte Arten vob Gerichten zu Kochen oder zu Angeln in Dörfern stattfinden lassen, aber nur am letzten Tag einer Woche. Während Dorfbewohner dann normalerweise auch arbeiten würden, muss man sich dann womöglich noch selbst um liegen gebliebene Feldarbeit kümmern. Aber wer möchte nicht gerne allen zeigen, dass er der beste im Wettbewerb ist? Da ist das ein geringer Preis
Allerlei Skills
Vielerlei Aktivitäten im Spiel haben eigene Skilltrees. So bringt der Einsatz von Schwertern ebenso Erfahrung für den entsprechenden Skill Tree, wie zum Beispiel Kochen für den Koch-Skill-Tree. Waffen können so stärkere Angriffe, aber auch Boni für alle Waffenarten geben. Skill Trees für verschiedene Herstellaktivitäten können das Herstellen günstiger oder effektiver machen. Und soziale Aktivitäten ermöglichen nicht nur neue Aktivitäten freizuschalten, sondern auch günstiger einzukaufen und teurer zu verkaufen.

Die verschiedenen Aktivitäten, die man am Tag ausgeführt hat, bringen zudem noch frei verfügbare allgemeine Erfahrung. Damit kann man Bereiche unterstützen, in denen man nicht genug spezielle Erfahrung gesammelt hat.
Fazit
Ich spiele nicht oft Cozy Games und habe kaum Farmspiele gespielt. Aber ich habe mich auf eine bunte Mischung von Aktivitäten eingelassen, die bewusst nicht zu komplex werden, sondern zugänglich bleiben. Dorfmanagement und Feldarbeit bieten genug Freiheit für eigenes Tempo oder optische Gestaltung, oder man kümmert sich mehr um die Zahlen. Das Kampfsystem ist zugänglich und Gegner in der Regel schnell besiegt.
Das Setting japanischer Feudalzeit gefällt mir, die Musik ebenfalls. Diese ist auch nicht nur in traditionellen japanischen Klängen gehalten. Die Charaktere bieten eine diverse Vielfalt und wissen zu gefallen, auch Humor findet sich gerade in manchen Konstellationen. Die Geschichte hält sich relativ knapp und wird trotz der Ausgangssituation nicht allzu dramatisch inszeniert.

Technisch reißt das Spiel keine Bäume aus, man kann die Herkunft von schwächerer Hardware noch erahnen. Der Stil sagt mir aber zu und ist eher bunt und verspielt mit nur wenigen „bedrohlicheren“ Designs.
Rune Factory: Guardians of Azuma hat mir insgesamt gefallen. Vielleicht auch euch?

Vielen Dank an Marvelous für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf Xbox Series S.