Gerade die Tage erst Old School Rally getestet und nun stand mit Parking Garage Rally Circuit DX gleich der nächste Retro Rally Racer an. Der Entwickler Walaber Entertainment LLC zielte hierbei jedoch auf eine deutlich abgedrehtere Erfahrung, als bei erst genanntem Spiel.

Auf und ab durch enge Parkhäuser
Der Name des Spiels erklärt zugleich die einfache Prämisse von Parking Garage Rally Circuit DX: Man fährt Zeitrennen mit Check-Points (das ist der Rally Anteil) primär durch enge Parkhäuser, welche an USA und später noch Europa angelehnt sind. Ansonsten gibt es keine spezfischen Rally Elemente, abseits der Fahrzeug-Designs.
Die Konzeption um Parkhäuser hingegen ist ein wirklich besonderer Fall. Natürlich hatten andere Rennspiele auch schon Parkhaus-Rennstrecken, doch dieses Spiel schafft es um dieses eine Thema viele verschiedene Strecken zu basteln. Dabei liefert doch eben dieses Korsett um 1 Thema einen entscheidenen positiven Faktor: Die meisten Strecken sind eng und eckig. Wirklich ein Traum.
Doch selbst an diesem Punkt lassen die Entwickler sich ihre Kreativität nicht abblocken. Denn manche Strecken sind dann in Form doch wieder ganz anders, mit runden langen Kurven, Geländefahrten, Sprüngen zwischen Ebenen usw.. Dieses Spiel bietet eine Strecken-Qualität, wie ich sie eher in Fun Racern und nur selten in normalen Arcade Racern erlebe. Wobei sich mir eine Frage stellt …

Gameplay – ist Parking Garage Rally Circuit DX ein Fun Racer?
Hier habe ich mich wieder mit so einem Grenzfall konfrontiert gefühlt. Perse ist da nur wenig dran, was ich da direkt zuordnen würde. Es sind normale Autos (also ohne erkennbare cartonny Charaktere), es hat keine Items und selbst die Settings der Strecken sind eher bodenständig gehalten.
Doch auf der anderen Seite ist das Spiel so extrem bunt und fröhlich, wozu eine Musik läuft, die auf manchen Strecken sogar mit lustigem Gesang untermalen ist. Doch der entschiedende Faktor ist dann wohl: Man drift-boostet ähnlich wie in Mario Kart, und das am laufenden Band!
Damit fühlt sich das Gameplay schon sehr abgedreht und geladen an. Vor allem sobald man merkt, dass sich der Boost vom Drift wohl stapeln lässt. Als ich selbst im langsamsten Fahrzeug über 100 km/h erreicht hatte, wobei es ohne Boost gerade mal 60 km/h fährt, bekam ich kleine Crash Team Racing Vibes – wirklich toll.

Gameplay – Präzision und Technik
Die Steuerung an sich ist dabei äußerst direkt und erlaubt/erfordert ein paar interessante Techniken mit der Spielphysik. Durch die Physik purzelt man bei Kollisionen schnell mal durch die Gegend, was zwar in eigentlich Kurven kaum eine Rolle spielt, weil das Fahrzeug im Drift einen äußerst starken Wendekreis hat, doch eben bei Sprüngen, gepaart mit gestapelter Geschwindigkeit, zu irren Situationen führt.
Dafür muss man dann bremsen oder noch besser, driften! Denn wenn man driftet, springt man nicht bei Anhebungen (bei Sprungschanzen hingegen schon ein wenig). Diese Kombi bietet einen wirklich interessanten strategischen Faktor, vor allem weil die Streckengestaltung ständig Anhebungen mit Kurven kombiniert.
Leider ist auf der Gameplay-Seite nicht alles rosig. Vor allem mit der zweiten Fahrzeug-Klasse hatte ich manchmal einen ganz seltsamen Fehler, bei dem mein Auto nach links gedriftet ist obwohl ich nach rechts gelenkt habe. Das hat mich doch etwas gefrustet, auch wenn es nur ab und zu mal aufgetreten ist (kein Stickdrift-Problem, nur zur Info).

Umfang – das DX ist wichtig
Meine getestete Version von Parking Garage Rally Circuit ist die mit DX dahinter. Dies ist in sofern relevant, weil das Grundspiel gerade mal 8 Strecken hatte, wohingegen die DX Version das ganze verdoppelt und es eben auf den, von mir häufiger mal angesprochene, Standard von 16 Strecken anhebt. Dabei verteilen sich die ersten 8 Strecken auf USA und die 8 neuen Strecken auf Europa.
Dies spiegelt sich auch in der Einzelspieler Kampagne wieder, welche auf eben USA und Europa seperiert sind. Darunter befindet sich die jeweilige Streckenauswahl, wobei man hier jedoch immer eine Strecke zumindest auf Bronze schaffen muss, bevor man die nächste fahren darf.
Und ebenso bei den Autos, von denen es leider nur drei Stück gibt, spiegelt sich dies wieder. Man fährt zuerst mit dem ersten Rally-Auto alle 8 Strecken durch, bevor man Zugriff auf das zweite bekommt und hier wieder das selbe um das dritte zu bekommen. Die stellt simpel die Schwierigkeit und Geschwindigkeit von Leicht-Mittel-Schwer dar, würde ich mal sagen. Also ja, bei den Fahrzeugen ist eher wenig Spielumfang gegeben. Doch dafür lässt sich Farbe und Lackierung nett anpassen, mit sehr freier Farbauswahl.
Neben den Zeitrennen gibt es in der Einzelspieler-Kampagne noch ein Ausdauer Rennen, bei dem bei jedem Check-Point Zeit zu einer ablaufenden Zeit hinzu gerechnet wird. Ein simpler aber nett gestalteter Highscore Modus. Wer jedoch richtige Rennen fahren will, muss auf Mehrspieler zurückgreifen, entweder im 4-Spieler Splitscreen oder Online mit bis zu 8 Spielern (scheinbar aber nur über Lobbies). Der Splitscreen ist wirklich eine feine Sache, aber eine KI für die Kampagne hätte ich mir doch auch noch gewünscht.

Artstyle – von Sega-Saturn inspiriert
Da machen die Entwickler wirklich kein Geheimnis draus. Auch hier haben wir wieder einen Retro Racer mit Polygonen + pixeliger Grafik, nur dass die Vorlage eben dieses mal Sega Saturn anstatt PS1 ist. Sieht auch wirklich gut aus und sollte jedem, der solchen 3D-Retro-Charme mag, gut gefallen.
Der Style rund um die Parkhaus-Strecken wirkt auf den ersten Blick etwas eintönig, wird aber in späteren Strecken schön varationsreich, mit Schnee, City und „Dirt“-Bereichen. Eine Strecke führte sogar über sowas wie eine Achterbahn und einen Hafen entlang.
Schlussendlich wäre da die bereits erwähnte lustige Musik. Also diese ist nicht direkt humorvoll gestaltet, sondern einfach fröhlich actionreich. Ich musste nur echt schmunzeln als ich durch die eine Strecke gefahren bin und der Sänger sang „I’m ooooon … I’m on another leveeeeel!!“. Auch schön dabei: Jede Strecke hat seinen eigenen Soundtrack (ähnlich traditioneller Fun Racer) und somit haben die Strecken alle nochmal zusätzlich einen eigenen Charme.

Fazit – Das beste Rally Spiel, das ich bisher gespielt habe
Parking Garage Rally Circuit DX ist ein fantastisches Spiel, bei dem es wirklich nicht mehr viel bis zum Stempel fehlt. Hier möchte ich mal ausnahmsweise erwähnen, dass es in einem 10er System eine 9/10 für mich ist.
Es fehlen eigentlich nur noch ein wenig mehr Modi (vor allem mit KI Fahreren) und gerne noch weitere Strecken und Fahrzeuge. Der Rest hingegen ist einfach wirklich on Top, vor allem das absolut tolle Streckendesign!

Mag ich
– Klasse Streckendesign
– Toller Soundtrack
– Motivierendes Drift-Boost System
– Retro 3D-Artstyle
Mag ich nicht
– Fehler beim Driften
– Keine Rennen gegen KI-Fahrer
Vielen Dank an Walaber Entertainment LLC für die Bereitstellung des Testmusters. Gespielt auf PC/Wavedash.