Ghen War
Ich habe Ghen War auf dem Sega Saturn nicht durchgespielt. Ich habe den Endboss besiegt und den Abspann gesehen, davor jeden Level geschafft.
Warum ich es aber nicht durchgespielt habe? Weil ich gecheatet habe. Vor vielen Jahren, bestimmt mindestens mehr als zehn Jahre her, habe ich das Spiel mal gekauft, weil es interessant genug aussah und es ja auch gar nicht so viele vollwertige 3D-Spiele auf der Konsole gibt. Ich bin aber nie über Level 7 hinausgekommen damals, weil, ich zitiere aus der Anleitung:
Wenn Sie bei einem Einsatz sterben und noch Leben übrig haben, kehren Sie zum Beginn dieses Einsatzes zurück und fangen erneut mit der Standardzahl an Waffen an - und mit einem Leben weniger. Falls Sie sterben und kein Leben mehr "in Reserve" haben, ist das Spiel vorbei. In diesem Fall werden alle gesicherten Spielstände gelöscht, so daß Sie beim nächsten Mal wieder auf der Venus anfangen.
Ja, richtig gelesen! Nach jedem Game Over fängt man von Vorne an wie auf dem NES. Nur ist das Spiel keine 45 Minuten lang wie ein NES-Spiel. Und das Spiel ist zwar meistens nur moderat schwierig, aber es gibt einige Schwierigkeitsspitzen, wo man auch mal Leben verliert, bis man herausgefunden hat, wie das Level zu bewältigen ist. Hätte es einen Cheat für unendlich Leben gegeben, ich hätte ihn genutzt. Aber damals war nur ein Cheat bekannt, der einen gleich mal unendlich Munition und Lebensenergie gibt. Das ist natürlich völlig witzlos so. Also flog es in die Kammer, aber ich habe es nie verkauft, weil es nicht viel wert war, es immer noch nicht ist.
Aber manchmal, wie weiland bei Silent Bomber, kommen mir diese abgebrochenen Spiele wieder in den Sinn, und wie dort mal jemand herausgefunden hat, wie man den fatalen Bug umgeht, hat jemand bei diesem Spiel mal 2024 den Code durchwühlt und leider keinen Cheat für unendliche Leben gefunden, aber einen Level Skip! Das ist ja so gut wie unendliche Leben.
Na ja, ist es nicht, weil man halt jeden Level starten muss, einen Code eingibt, bei dem man sich ein bisschen verrenken muss, und jede Ladepause mitmacht, die aber zum Glück in dem Spiel sehr kurz sind.
Mehr habe ich nicht gemacht, ich habe jedes der 20 Level mit dem geschafft, was das Spiel einen gibt. Ich musste auf dem Weg so acht- bis neunmal die Skipkaskade durchmachen. Es gibt auch einen Cheat für eine Levelanwahl, aber leider kann man so nicht später einsteigen. Wählt man einen Level so aus, landet man nach ihm wieder im Hauptmenü.
Was habe ich da nun gespielt? Einen durchaus passablen Ego-Shooter der Konsolenfrühzeit. Es kamen mal die Ghen als galaktische Kriegsflüchtlinge auf die Erde, teilten ihre Technik mit uns gegen Asyl. Dazu gehört auch ein Implantat, das vor allen Krankheiten schützt - oh, und dann plötzlich zur Gedankenkontrolle in einem Eroberungsversuch missbraucht wird. Zum Glück gibt es einen Bergarbeitertrupp, der diese Implantate noch nicht hatte, und kämpft! Angesichts dessen, dass der Minenanzug über Mehrfachraketenwerfer verfügt, unterstelle ich der Menschheit ihrerseits heimliche Kriegsvorbereitungen. Die Ghen haben sich nur gewehrt!
Man kämpft auf Venus, Mars, Deimos, dem Mond, in Australien und einer Militärbasis in den USA. Es gibt weitläufige Außenlevel und labyrinthartige Innenlevel mit den üblichen Schalterrätseln. Alle Gegner sind aus Polygonen, was damals recht ungewöhnlich war. Es erschien 1995 in den USA, also vor Quake, was ja üblicherweise als erster Ego-Shooter mit Gegnern aus Polygonen gilt. Das Ghen War nicht dafür zitiert wird, liegt aber vielleicht nicht nur daran, dass es kein Schwein kennt, sondern weil der Minenanzug Streben vor dem Helm hat, wo zum Beispiel der Laser montiert ist. Dadurch sieht es auf Bildern mehr wie ein Fahrzeugshooter als ein Ego-Shooter aus. Da kann man drüber streiten, was es ist, aber man läuft, ist kaum größer als ein Mensch, das sieht man auch an den Größenverhältnissen. Ne, das ist ein Ego-Shooter. Mit Polygongegnern. Vor Quake. Auf dem Saturn!
Und durchaus passabel mit abwechslungsreichen Missionen, genug Waffen (aber fast alles Varianten von Raketen), genug Gegnern (mir gefielen die Drohnen, die in einem klar lesbaren Defensivmodus alle Schüsse reflektieren) und auch gut designten Levels. Sie sind recht kurz, da fällt es gegen die PC-Shooter der Zeit ab, aber gut gemacht. Interessanterweise ruckelt es in den Gebäuden mehr als in den offenen Leveln, aber das liegt wahrscheinlich daran, weil sehr viel mit der Beleuchtung gespielt wird, viele dunkle und helle Ecken, flackernde Lampen und so.
Ziemlich cool war übrigens, dass es zerstörbare Umgebungen hat. Höhere Kaliber deformieren die Umgebung und in Sidney gehen die Häuser kaputt, Stück für Stück, je nach Einschlagstelle. So kann man sich in dem Level Treppen bauen. Das ist für 1995 (1996 in Europa) wirklich bemerkenswert und das Spiel hätte sich mit dem Feature definitiv mehr als einen Stadtlevel gönnen sollen.
Die Story wird in Zwischensequenzen mit echten Schauspielern präsentiert. Kleiner Schönheitsfehler: Die sind passabel und nicht grottenschlecht. Das verringert den Trash-Faktor!
Wären sie nicht auf diese bescheuerte Idee mit dem Game Over gekommen, würde ich es sogar dem Saturn-Besitzer empfehlen. Aber so nicht. Ich verstehe die Entwickler auch nicht. Wäre der Saturn direkt nach dem Master System erschienen, okay, da waren Game Over oft noch Game Over, aber in welchem Mega-Drive-Spiel mit Speicherfunktion fing man nach einem Game Over bitte von Vorne an? Die sind sogar so dreist, einen mit einem Leben weniger starten zu lassen, wenn man das Spiel durch Ausschalten der Konsole mal beendet! Das kann man nur verhindern, wenn man beim Levelabschlussbildschirm direkt ins Hauptmenü geht. So ein Quatsch!
Und wisst ihr, wie viele Extraleben es in den 20 Leveln gibt? Zwei! Man startet mit drei Leben, muss also mit maximal fünf durchkommen. Ich glaube nicht, dass ich eines übersehen habe, weil Items auf dem Radar erscheinen und ich alles mitgenommen habe. Und das eine Extraleben konnte ich nicht mal aufsammeln, weil es als Belohnung für einen fliegenden Endgegner erscheint, aber der explodierte höher, als ich springen konnte!
Einfach Wahnsinn! Der letzte Endgegner ist einer dieser damals nicht untypischen dicken Brocken, wo man in Distanz rückwärts vor ihm wegläuft und hoffen muss, dass er öfter die Wand trifft, als einen selbst. Dazu musste man ein paar Schalter aktivieren, die neue Munition und Gesundheit ins Level brachten. Um ihn zu schaffen, muss man wissen, was nach welchem Schalter wo im Level erscheint. Lerne das mal auswendig, wenn du jedes Mal Stunden brauchst, um dich erneut zu ihm vorzukämpfen!
Einfach ein absoluter Wahnsinn, der das Spiel kaputt macht.
Also, ich habe Ghen War beendet, aber nicht durchgespielt. Es steht jetzt trotzdem im Regal bei den durchgespielten Spielen im Wohnzimmer. Ich Schummler!