Aidyn Chronicles The First Mage

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Guybrush Threepwood
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Aidyn Chronicles The First Mage

#1

Beitrag von Guybrush Threepwood »

So, jetzt habe ich mal was freakiges gemacht. Ich habe knappe 500,00 € (genaugenommen knapp 530,00 €) für ein N64-Spiel mit einem Metacritic-Schnitt von 53 ausgegeben - aber mit einem Userscore von 7,5. Ich muss mal meine Steuererklärung machen und es wieder größtenteils reinholen.

Seit August habe ich auf Arbeit nur Stress wegen personalbedingter Ausfälle und anderer Schwierigkeiten. Ich bin jetzt bei über 70 Überstunden und kann ich die abbummeln? Nein, weil die Personaldecke gerade ausfallbedingt zu dünn ist. Und als sich vor zwei Wochen ergab, dass es kurzfristig keine Entlastung geben wird, habe ich mir aus Trotz dem Leben gegenüber Aidyn Chronicles gekauft. Jetzt habe ich eine Woche Resturlaub (muss ich ja bis Ende März antreten), konnte aber erst jetzt anfangen, weil ich ein neues Cotnroller Pack brauchte, bzw. eines mit neuer Batterie (das waren nochmal die 30,00 € dazu). Ein Shop aus England bot das so an, leider blieb sie eine Weile beim Zoll hängen. ich hoffe, er behumst mich nicht. Er hat aber 100% positive Bewertungen bei mehreren tausend Bewertungen. Die Karte sieht auch wirklich original aus, es wäre eine verdammt gute Fälschung. Sie hat auch die richtige Zahl an Speicherblöcken. Jetzt kann es natürlich sein, dass die Batterie nicht getauscht ist. Wir werden sehen. Meine alte Karte funktionierte beim letzten Mal tatsächlich noch, aber ich wollte ein 50-stündiges RPG nicht mit einer Speicherkarte mit 28 Jahre alter Batterie starten und nach 40 Spielstunden ist sie plötzlich leer. Schon doof, dass Nintendo bei den Controller Packs nicht auf Flash-Speicher gesetzt hat. Auf Playstation hat man diese Sorgen bei First Party-Speicherkarten nicht.

Soviel zu der Situation, die mich zu der unbedachten Handlung verleitet hat.
Aber war sie überhaupt unbedacht? Nun, jein. Irgendwie legt die Diskrepanz zwischen Userscore und Tests den Verdacht nahe, dass die Tester am Ende der N64-Ära dem Spiel gegenüber nicht aufgeschlossen waren, oder vielleicht nicht auf es vorbereitet waren? Westrollenspiele waren bis dahin auf Konsole eine Seltenheit, diese Konzepte war man nicht so wirklich gewohnt. Das ist auch ein bisschen der Tenor späterer Bewertungen, ein gutes Spiel, das damals nicht verstanden wurde. Kann das sein? Wer weiß, ich werde es bald wissen. Aber mindestens dem Review von Gamespot damals kann man wirklich anmerken, dass der Tester viel Zeit darein gesteckt hat und vieles Gutes ausgemacht hat, aber ihm reichte es trotzdem nur zu 61 Prozent. Die MAN!AC vergab 44%, der Test geht nicht so ins Detail wie Gamespots Test.
Ich war schon länger neugierig, aber der hohe Preis für eine gute OVP-Version hielt mich bisher immer ab.
Nach meinen ersten fünf Stunden heute Vormittag macht es einen mehr als ordentlichen Ersteindruck. Aber vielleicht will ich mir nur die Ausgabe schön reden.

Was war so der Tenor der Tests? Vorrangig sei die Technik mies und das Spiel sehr träge und die Kämpfe zögen sich wie Kaugummi.
Die Technik? Klar, das Dreamcast war schon eine Weile auf dem Markt und es sieht wirklich nicht so toll aus wie die Zeldas oder Rare-Spiele. Aber nachdem ich aus dem Startgebiet in einem Wald auf offenes Gelände kam, an einem Bauernhof vorbei der Straße folgte, durch eine Klamm an einen Strand kam, von dem eine Brücke zu einer Insel mit einem Dorf und einer Burg führte und das Spiel in der Zeit nicht ein einzige Mal kurz ausblendete, um Daten nachzuladen, ist auch ganz klar, dass das Spiel eine zusammenhängende Welt inszeniert, die in dieser Konsolengeneration absolut einmalig ist. Es gibt einen nahtlosen Tag- und Nachtwechsel, es gibt Mondphasen, vor einem Gewitter verdunkelt sich der Himmel, wenn man bei Regen genau hinschaut, sieht man, dass jeder Prasseleffekt auf dem Boden durch einen Regentropfen erfolgt, dem man mit dem Auge verfolgen konnte. Und die Sichtweite ist hoch, jedenfalls was das Gelände angeht, Bäume ploppen relativ dicht vor einem auf. Das ist alles auf dem N64 einmalig und natürlich kann es nicht die Texturen eines Banjo-Tooie haben, dessen Performance nebenbei schlechter als die von Aidyn Chronicles ist. Vergleichbar ist bestenfalls Body Harvest, und das hat eine riesige Nebelwand und viel matschigere Texturen.
Das Spiel ist träge? Der Anfang ist tatsächlich recht langsam inszeniert. Bis man die erste Party zusammen hat und die Reise richtig beginnt, vergehen zwei bis drei Stunden. Das Intro verfolgt minutenlang einen Koch, der beauftragt ist, den Knappen, der man selbst ist, zu suchen, bis er erfährt, dass man auf eigen Faust losgezogen ist, um nach einem vermissten Bauern im Wald zu suchen. Das Lauftempo ist recht niedrig, aber die weiten Distanzen zwischen Points of Interest sind für einen heutigen Open World gestählten Spieler nichts ungewöhnliches.
Die Kämpfe dauern? Das stimmt, bis alle vier Spielfiguren und Gegner ziehen, vergeht einige Zeit. Noch sind die Gegner schwach, und trotzdem dauert mancher Kampf schon mal fast zehn Minuten. Aber jeder Gegner, den man besiegt, bleibt tot, und damit wird man, wenn man ein Gebiet durchsteift, nicht andauernd in neue Kämpfe gezogen. Dafür offenbart das Spiel schon einiges an taktischer Tiefe. Wenn man aus einer erhöhten Position zuschlägt, richtet man mehr Schaden an. Regnet es, oder ist es Nacht, verfehlt man das Ziel leichter. Die Positionierung spielt auch eine Rolle, Stichwort den Feind von hinten überraschen. Und man darf nicht den Fehler machen, jemand anderen als den Ritter in dickte Rüstungen zu stecken. Dann wird man langsamer, verfehlt den Gegner öfter und kann seltener zielen und selbst weniger wahrscheinlich ausweichen. Das ist der Punkt. Rüste deine Figuren falsch aus, raste nicht bei Nacht und schon wunderten sich damals viele, warum die Spielfiguren die Feinde nie treffen. Das umgehe ich jetzt alles, aber so gut hätte ich mich anno Jahrtausendwende vor dem Beginn nicht informieren können.
Das Spiel ist sowieso recht Hardcore. Gefallene Kameraden können nicht wiederbelebt werden, jeder Zauber verbraucht eine Ressource wie Kräuter, die man sammeln muss. Bisher ist das Spiel noch nicht schwer und man kann jederzeit speichern. Dabei benutze ich alle vier auf einem Controller Pak möglichen Spielstände, weil das Spiel wohl unter Umständen falsch speichert und den Spielstand killt. Es soll wohl auch manchmal abstürzen. Ich bereite mich durch wechselnde Spielstände auf Ungemach vor.
Bei den Abstürzen könnte ich mir aber vorstellen, dass die PAL-Version weniger betroffen ist, erschien sie Monate nach der US-Version und wir Europäer bekamen damals deswegen oft die beste Version, wenn auch nur in 50 Herz. Die PAL-Anpassung scheint passabel, keine Balken. Das Tempo kann ich nicht vergleichen. Die Texte sind nur auf Englisch.
Ich bin immer noch im Startgebiet. Ich stromere ein bisschen herum. Der Karte nach muss ich zum nächsten Zielort durch den Wald des Anfangs. Wälder sind hier eher Heckenlabyrinthe, kein Spiel der Generation hat Wälder anders dargestellt denn als Sammlung von Korridoren, deren Wände mit platten Baumtexturen überzogen sind. So viele Polygone, um einen ganzen Wald darzustellen, konnte man damals einfach noch nicht investieren. Die Orientierung im Wald ist auch schwer. Am Anfang fand ich aus dem Wald schwer heraus, zum Schluss fand ich schwer hinein. Lief gefühlt immer anders hinein und landete kurz darauf wieder im Feld. :ugly:
Egal, jedenfalls bin ich auf dem Weg einem Fluss gefolgt und fand nach kurzer Zeit die Ruinen eines Dorfes. Jedes der zerstörten Häuser sah etwas anders aus. Inmitten des Dorfes stand ein Gedenkstein für die Opfer des Angriffes von 8ooirgendwas. Als ich auf der anderen Seite das Dorf verließ, stand ich an einer Klippe. Als ich herunter sah, merkte ich, dass ich auf den Waldeingang des Startgebietes blickte. Als ich dem Fluss zurück folgte und dann Richtung Wald lief, blickte ich hoch, als ich mich an der Stelle wähnte, wo ich vorhin von oben heruntergeschaut habe. Und tatsächlich blickte ich nicht einfach nur auf eine Felswand, sondern sah, dass dort ein Pfad eingearbeitet ist, er an einer Stelle aber abbricht, als hätte es einen Erdrutsch gegeben. Nicht nur, dass ich diese versteckte Ruinen gefunden habe, das war alles so gestaltet, dass man logisch nachvollziehen konnte, wie sie früher mal ans Wegenetz angeschlossen gewesen waren. Und in dem Dorf in einer Kiste fand ich ein Item, mit dem sich die Schlossknackerfähigkeiten meiner Diebin um zwei Punkte erhöhen. Vielleicht drehe ich nochmal um, weil ich im Keller des Schlosses doch diese Truhe gefunden habe, für die ihre Fähigkeiten vorhin nicht ausgereicht haben.
Tenor war auch, dass die Welt groß aber wenig in ihr zu entdecken sei. Bisher bin ich da ganz zufrieden, aber klar, ich bin noch im Startgebiet.

Übrigens spielt man einen Knappen, der als Waise vom König adoptiert wurde. Ich kenne keine Fantasygeschichte, in der am Ende nicht herauskommt, dass die Waise des König Lenden entsprungen ist. Will jemand dagegen wetten, dass es dieses Mal auch so sein wird?
Zuletzt geändert von Guybrush Threepwood am 27. Mär 2026, 20:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Screw
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#2

Beitrag von Screw »

omg das Spiel hatte ich und habs dann angespielt und konnte es zum Glück wieder zurückgeben
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Colt
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#3

Beitrag von Colt »

Was!? Das Spiel ist soviel wert? Ich hab das auch noch hier im Schrank liegen, komplett und fast neuwertig. Du brauchst nicht zufällig noch ein zweites Exemplar? :ugly:
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Screw
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#4

Beitrag von Screw »

Colt hat geschrieben: 27. Mär 2026, 01:16 Was!? Das Spiel ist soviel wert? Ich hab das auch noch hier im Schrank liegen, komplett und fast neuwertig. Du brauchst nicht zufällig noch ein zweites Exemplar? :ugly:
falls eines kaputtgeht, wäre das sicher eine gute Idee :ugly:
Mich hat damals das Mittelaltersetting angesprochen und dann gab es kaum RPGs auf dem N64, deshalb war ich neugerig darauf. Vielleicht war das auch nicht mein Genre. Im gleichen Jahr kam dann aber noch Paper Mario, das mir hervorragend gefallen hat.
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Guybrush Threepwood
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#5

Beitrag von Guybrush Threepwood »

Ich bin jetzt in der zweiten Stadt angekommen und mir gefällt, was ich da spiele. Ich glaube zwar auch, dass ich das damals nicht toleriert hätte, aber auch besser weggekommene Spiele wie Majora's Mask und Banjo-Tooie hatten bei mir einen schweren Stand und ich beendete sie erst Jahre später, als ich nostalgisch für diese Technikgeneration wurde. Damals wollte ich sie eher hinter mir lassen und nur Conker und Paper Mario habe ich damals tatsächlich auch beendet. Und ich glaube, die weiten Landschaften hätten mich damals eher abgetörnt. Auch, dass man jede Tür öffnen darf, aber in vielen Häuser nichts weiter ist. Das ist mit einer Sozialisation durch Bethesda und co. einfach jetzt besser zu begreifen. Wobei man sagen muss, dass hier in vielen Häusern buchstäblich nichts ist, wohingegen in Bethesda-RPGs in vielen normalen Häusern nichts wichtiges ist, aber falls man jedes Käserad in der Welt im Inventar haben will, dann wird man in fast jedem Haus irgendwie fündig. Also, in einem Elder Scrolls ist in vielen Häusern praktisch nichts, theoretisch viel, hier ist in vielen Häusern praktisch und theoretisch nichts. Ich habe hier nicht das krasse Morrowind eine Generation früher vor mir. Aber ich wäre jetzt sehr überrascht, wenn ich noch zum Urteil des Totalausfalls käme.

Auf der Strecke zur zweiten Stadt wurden die Gegner langsam schwieriger. Die erste Gruppe aus drei Bären haben mich an den Rand der Niederlage gebracht, aber alle Figuren kamen durch. Dann ging ich erstmal ein Lager aufschlagen. Nach dem Besiegen eines Orkhäuptlings landete ein Bogen im Inventar und jetzt weiß ich, was mein Held, den man in alle RIchtungen skillen kann, nun wird. Irgendwie neigt das Spiel dazu, Alaron zu Kampfbeginn besonders oft ziemlich weit vom Schuss zu platzieren, in viele Kämpfe konnte er gar nicht richtig eingreifen. Das ist mit dem Bogen Geschichte und ein Bogen in der Gruppe ist in dem Spiel super vom Vorteil, weil gerne mal neue Gegner dazustoßen, und dann kann man sie schon mal gut verletzen, bevor sie nahegekommen sind. Kurz vor der Stadt hatte ich dann meinen ersten Hobgobln, der so platziert war, dass er wohl designmäßig als Zwischenboss gedacht ist. Und da brauchte ich das erste Mal ein paar Versuche, ohne Toten zu gewinnen. Es ging aber ohne leveln, mit besserer Taktik und etwas Glück was kritische Treffer anging. Ich will mit den Startcharakteren bis zum Ende durchkommen, weil ich gelesen habe, dass die Endsequenz dann etwas länger wird. Hoffentlich muss ich dazu nicht zu oft Spielstände laden. In der zweiten Stadt gibt es den potenziell ersten neuen Rekruten, mit dem ich einen Verlust theoretisch hätte auffülllen können.

Die Landschaft öffnete sich auf dem Weg zur zweiten Stadt, da hätte ich noch einiges erkunden können. Die Hauptquest möchte jetzt, dass ich in den Bergen ein Goblinlager ausradiere, bzw. soll ich explizit den Anführer töten. Das Spiel wechselte jetzt von Wiesen mit gelegentlichen Regen zu schneebdeckten Fels und gelegentlichen Schneefall. Davor ging es in der Landschaft auch permanent immer weiter bergauf. Das wirkt geografisch recht stimmig. Auf dem Pfad spielte aber die ganze Zeit so eine düstere Musik, die mir irgendwann auf den Senkel ging. Eigentlich verzichtet das Spiel außerhalb von Siedlungen bisher meistens auf Musik. Dafür gibt es sehr viel Umgebungsgeräusche, die auch schön mit der Tageszeit wechseln. Da sind erstaunlich viele Vogelstimmen auf dem Modul, was mir auch auffiel, ist, dass jedes Geräusch auch seine Quelle hat und nicht nur eine Tonspur im Hintergrund ist (okay, außer so etwas wie Wind natürlich). Man kann jedem Vogel irgendwann einer Baum oder einer Stelle in der Waldwand zuordnen. Freilich ist dann da keiner zu sehen, aber weil jeder Ton seinen Ort hat, wechselt dieser beim Laufen hörbar seine Richtung (natürlich nur in Stereo). Jedenfalls ist die Tonkulisse dadurch sehr plastisch. Besser jedenfalls als die Musik.
Screw hat geschrieben: 26. Mär 2026, 20:52 omg das Spiel hatte ich und habs dann angespielt und konnte es zum Glück wieder zurückgeben
Ich glaube, dir würde auch ein unumstritten gutes West-RPG keinen Spaß machen.
Colt hat geschrieben: 27. Mär 2026, 01:16 Was!? Das Spiel ist soviel wert? Ich hab das auch noch hier im Schrank liegen, komplett und fast neuwertig. Du brauchst nicht zufällig noch ein zweites Exemplar? :ugly:
Also, die nackten Module werden schon für einen Hunni auf ebay gelistet. Da war ein ähnlich schön aussehendes Exemplar einer Privatperson für nur 400,00 €, Händler langen noch ein bisschen mehr zu. Aber das Rückgaberecht, falls das Modul nicht geht oder ein Kind in der Anleitung rumgekritzelt hat, waren mir den Aufpreis wert. Es gab auch teurere Listungen. Aber sicher eher so ein Ding, für das man viel kriegt, wo es aber eine Weile braucht, bis auch wirklich jemand zuschlägt.
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Guybrush Threepwood
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#6

Beitrag von Guybrush Threepwood »

Ich habe jetzt ungefähr 33 Stunden auf dem Tacho und, nach dem bisher aufgedeckten Teil der Weltkarte zu urteilen, ungefähr die Hälfte des Spiels hinter mir. Und ich mag wirklich, was ich hier spiele, wobei es nach meinem letzten Bericht schon einen Hänger gab. Das Goblinlager in den Bergen war verwirrend aufgebaut und da das Spiel hier mehr Gegner als normal respawnen ließ, konnte man sich auch nicht darauf verlassen, dass man irgendwelche Zelte, vor denen ein Goblin Wache steht, noch nicht geplündert hatte. Da war jedenfalls reichlich Beute zu machen, die Geldprobleme waren dann erstmal gelöst, in den ersten zehn bis fünfzehn Stunden hat man nur wenig Geld. Man kämpft vorrangig gegen wilde Tiere und die lassen in dem Spiel kein Gold fallen. Ich glaube, ich hatte noch nie ein RPG, wo ich mir nach zwölf Stunden nicht leisten konnte, alle Partymitglieder mit Schuhen auszustatten. :ugly:

Ab der dritten Siedlung öffnet sich die Landschaft viel weiter in alle Richtungen und mir gefällt, wie das alles aufgebaut ist, dass man regelmäßig auch Felder und Bauernhöfe unterwegs findet und das insbesondere zwischen der Stadt mit der Zaubererschule und der Hafenstadt die Landschaft deutlich kultivierter und gezähmter wirkte als im wilden Norden, wo man startet.

Ich spiele kein 90%-Mega-Über-Spiel, aber ich spiele keine 40%-Gurke. Im 70%-Bereich ist vermutlich ein fairer Kompromiss, vielleicht 60%, wenn einen die Abstürze böse erwischen. Die PAL-Version ist nicht gefeilt, aber zwei Abstürze auf die Zeit bisher ist nicht wahnsinnig viel, aber einerseits gab es das damals eigentlich überhaupt nicht auf Konsolen, andererseits nehme ich dann auch die Warnung vor defekten Spielständen ernst und rotiere zwischen den vier Spielständen, die auf dem Controller Pak Platz finden. Wenn man nur einen Spielstand anfertigt und davon nach 50 Stunden erwischt wird, dann ist das eher ein 10%-Spiel, die professionellen Tests, die ich aus der Zeit gelesen habe, erwähnten das ihrerseits aber nicht.

Man merkt auch an anderen Stellen das fehlende Polishing. Wenn Wölfe gelassen wie ein Pudel auf Gassi übers Schlachtfeld laufen, wirkt das schon komisch - zumal die Chaos Scouts wie Derwische übers Feld flitzen, es geht also. Geschäfte und Gasthäuser sollten besser von anderen Gebäuden unterscheidbar sein und manche Gebiete sind verwirrend zu navigieren, der Startwald gehört dazu, was dem Ersteindruck nicht förderlich ist. Der nächste größere Wald war viel einfacher aufgebaut, weil er viel offener gestaltet war.

Größtenteils finde ich die Welt schön zu erkunden. Hervorheben will ich eine versteckte Höhle unter der Hafenstadt. Mir fiel bei Erkundung der Stadt auf, dass es einen weiteren Strand gab, zu dem ich keinen Pfad fand. Ich verließ die Stadt, fand von außerhalb aber auch keinen Weg. Von der anderen Seite der Bucht begutachtete ich den Strand aus der Ferne und sah einen Pfad von dort in einem Waldstück verschwinden. Ich zog den Pfad gedanklich weiter und überlegte mir, wo ungefähr die andere Seite bei der Stadt enden könnte, betrat die Stadt wieder und fand nahe der von mir vermuteten Stelle tatsächlich hinter ein paar Büschen einen versteckten Durchlass in der Waldwand. Nein, das finde ich schon gelungen.

Eine Schifffahrt habe ich auch hinter mir - wie in jedem RPG endete die in einem Sturm und man strandete an einer anderen Insel, als man anfahren wollte. Da war aber auch wieder das fehlende Polishing bemerkbar, auf Deck des Schiffes in der Sequenz sprachen sie von wildem Wind und Blitzen, der Himmel war aber einfach nur grau und still - obwohl das Spiel Gewitter als Wetter hat, nur eben keines im großen Sturm abspielt. Toll auch, wie der Kapitän, bevor er die Reparaturen am Schiff in Angriff nimmt, betont, das alles sicher aussieht, während im Hintergrund deutlich eine meterhohe Dämonenfratze in den Fels gehauen ist. Das ist weniger fehlende Politur als mehr fragwürdiges Geschreibsel, aber lustig war es schon, weil er wirklich diesen Satz sagt, während im Hintergrund die Gravur zu sehen ist.

Es ist, finde ich bisher, ein gutes Spiel und eines, was man auf Nintendo 64, Playstation und Saturn kein zweites Mal findet. Ich bin ziemlich sicher, das N64 ist die einzige dieser Konsolen, die das überhaupt stemmen konnte. Aber man darf auch nicht vergessen, dass das Spiel 2001 erschein, und zwar nach Summoner - das auf der PS2 natürlich ein West-RPG mit bedeutend besserer Technik gewesen ist. Ganz ohne Vergleich war es dann doch nicht. Beide Spiele übrigens von THQ, die wollten diese Nische auf Konsole offenbar für sich erobern.

Ich bin sicher, 2001 hätte ich das ähnlich schnell wie @Screw wieder loswerden wollen - das N64 war von gestern. Manchmal kann man Spiele im Nachhinen mehr würdigen.

Ich setzte jetzt übrigens auf zwei Nah- und Fernkämpfer, was sehr gut funktioniert. Den Helden lasse ich mit Pfeil und Bogen kämpfen, die Diebin mit Wurfwaffen, der Ritter teilt mit der Axt aus und die Magierin, die nur Unterstützungszauber lernen kann, fällt vorrangig mit Schild und Lanze und ihrer hohen Mobilität dem Feind in den Rücken. Das ist ein sehr gut funktionierendes Team.
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