Earthworm Jim 3D
Jetzt haben mich Yoshis Reviews dazu animiert, mal doch ein paar mehr alten Jump'n Runs eine Chance geben zu wollen. Warum die Wahl dabei jetzt unbedingt auf Earthworm Jim 3D fiel? Das habe ich mich auch ein bisschen gefragt. Vielleicht, weil mir die enorme Wertungsspannbreite zwischen deutschen Magazinen und amerikanischen Webseiten damals aufgefallen ist, wobei klar zu sagen ist, dass die deutschen Zeitschriften das Spiel auch nur okay fanden. Ein bisschen wollte ich wohl wissen, was Sache ist.
Wie
@Yoshi (und die deutschen Magazine) finde ich das Spiel im Endeffekt ordentlich. Im Gegensatz zu zu Yoshi finde ich aber genau umgekehrt, dass die späteren Level besser als die ersten sind. Gerade im ersten Level in ganz engen Räumen (das Spiel spielt sowieso meist in zu engen Räumen für die tranige Kamera) kämpft man ja völlig blind mit den Gegnern. Im letzten regulären Level in der Westernstadt hat man zwar mehr Gegner gegen sich, aber die bekam man leichter ins Bild und dank der besseren Waffe wusste man, dass exakt drei Schüsse reichen und musste kürzer stehen bleiben. Da kann man den gegnerischen Schüssen viel leichter ausweichen. Die schlimmsten Gegner waren die Flederbabys auf dem Friedhofslevel, weil deren Geschosse zielsuchend sind, und wenn die drei Abwehrschüsse nicht treffen, verliert man richtig fies viel Energie.
Auch die Bosse wurden konstant leichter. Das mag etwas dem Erfahrungszuwachs beim berüchtigten Schweinereiten zu verdanken sein, aber ich glaube, der Hauptunterschied ist, dass die ersten beiden Bosse viel dicker als der Rest sind und damit viel leichter die Raketen aufsammeln. Gerade Bob den Goldfisch sah man im Gegensatz ungefähr so oft an den Raketen vorbeifliegen, wie einem das selbst passiert. Also ist man bei den späteren Bossen einem deutlich reduzierten Geschosshagel ausgeliefert. Das ist neben mehr Erfahrung ein großer Unterschied. Sofern man überhaupt von der Erfahrung profitiert hat, so schwer es blieb, eine einzelne Murmel zu sammeln, aber wenigstens das Ausweichtiming bei den Raketen hat man natürlich viel besser drauf. Jeder weitere Boss war schneller besiegt.
Beim Endgegner (Earthworm Jim ist also transsexuell, unterdrückt das aber angesichts des gesellschaftlichen Drucks u.a. auch der transfeindlichen Entwickler von Earthworm Jim 3D

) starb ich gar nicht mehr, aber das war schon ein echtes Geduldsspiel.
Die Bosskämpfe waren Mist, die Idee wäre maximal für einen gut genug gewesen.
Die Steuerung ist okay, aber wenn es schon so wenig Moves gibt, hätten die Entwickler es hinkriegen sollen, dass jeder gut funktioniert. Der Hochsprung aus dem Stand ist mir ständig misslungen.
Die Bedingungen fürs Durchspielen sind echt sehr hochgegriffen. Alle Euter muss man für den Endgegner sammeln, sprich das Äquivalent der Sterne aus Mario 64. Und 950 von 1000 Murmeln braucht man ebenso, das Gegenstück zu den Noten aus Banjo-Kazooie. So streng dürfte kein anderer Genrevertreter sein, oder? Wir reden von dieser Hürde für den normalen Endgegner, auf den die Abschlusssequenz folgt, nicht von einem geheimen Boss und erweiterten Ende!
Die Standardlevel sind okay, aber es ist alles schon ein bisschen klaustrophobisch und die Kamera ist total überfordert. Im Geisterhaus ist die Kamera fast durchgehend fix, das hätten sie mal fürs ganze Spiel übernehmen sollen, wenn die freie Kamera partout nicht funktionieren will.
Für damalige Verhältnisse ein Spiel für den 60er-Wertungsbereich.
Ein bisschen verwundert war, ich, im Abspann von Akkordeon-, Gitarren- etc.-Spielern zu lesen. Die haben wirklich echte Musiker engagiert, um deren eingespielten Stücke dann so extrem zu komprimieren, dass sie schlechter klingen als die meisten Midi-Tracks auf dem System? Was für eine Verschwendung! Andererseits gab es ja eine PC-Version, ich nehme an, da hört man dann die Stücke in CD-Qualität. So toll können sie aber eigentlich trotzdem nicht klingen.